deutsch nederlands

"Das Buch, das Fred Schwarz über diese sieben Jahre geschrieben hat, wollte zunächst kein Verleger haben. Zu wenig literarisch, hieß es - das stimmt wohl,
zu viele Details - aber genau diese exakte Beschreibung des alltäglichen Lebens im allgegenwärtigen Tod macht, daß man diese Erinnerungen nicht aus der Hand legen kann und ihrem Autor auch jetzt, mitten im gedämpften Five-o'-clock Geplauder eines Hotels , gebannt zuhört. Und dann ist da noch die Liebesgeschichte. Ja, zwei junge Menschen verlieben sich, in einer Zeit, da ringsum Hunger und Elend und Verzweiflung herrschen; in einem Lager, von dem aus zweimal wöchentlich die Deportations Züge nach Auschwitz abgehen...
Sehr viel älter als Anne Frank und Peter waren sie damals nicht, Fred und seine Carry, die jetzt einen Dackel an der Leine , die Hotelhalle betritt: sehr zart, überraschend zierlich, kleiner als man sie sich beim Lesen vorgestellt hat beim Lesen des Buchs. Liebe scheint Menschen irgendwie größer zu machen. Und während Meneer Schwarz den Dackel ausführt, erzählt Mevrouw Schwarz, wie sie ihren Liebsten wiederfand nach dem Krieg. Und wie sie wissen wollte, wie es ihm ergangen war in den Monaten nachdem sie in Theresienstadt getrennt worden waren. Er musste ihr erzählen, und dieses Erzählen-dürfen hat ihn denn wohl auch vor den Albträumen bewahrt, die andere Opfer der Judenverfolgung nicht loslassen... 'Ich träume niemals von Auschwitz' sagt Fred Schwarz, ein erfolgreicher Manager im Metallhandel. Ein solcher Mensch kann nicht ruhen, wenn er sich zur Ruhe setzt. Und da war es Frau Carry, die ihn dazu aufforderte, seine Geschichte zu schreiben. 'Aber wenn ich träumen würde, dann vor Angst, daß ich im Schlaf den Stempel mit dem lebensrettenden Mal "Hasagwerk" aus Versehen von der Stirne wischen würde.'..."

Elisabeth Bauschmid
Süddeutsche  Zeitung


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Latrine im “Waschraum”

Schwarz bezeichnet sein Werk als 'Die exakte Geschichte' seiner Erlebnisse, die er 50 Jahre nach dem Geschehen erst auf Holländisch und nachher auf Deutsch zu Papier brachte. Obwohl das Buch im Präsens und in der Ich-form geschrieben ist, ist es laut Schwarz kein Tagebuch und auch keine Literatur. Er habe 'nichts verschönert' oder dramatisiert, sondern lieferte einen Bericht über das, was ihm und seinen Mitmenschen passiert ist. Der Autor ist nach eigener Aussage kein Freund von Schuldzuweisung und Schwarzweiß- Malerei. Als er um 1952 in die Metallbranche ging, war die Zusammenarbeit mit Deutschen für ihn eine Selbstverständlichkeit. Heute ist sein Buch, das er in erster Linie seinen Enkeln gewidmet hatte, eine Mission für ihn. Vor allem die jungen Menschen will er erreichen. Aber auch Diskussionen und Gespräche mit Erwachsenen sind das, was ihn glücklich macht."

m.b.
Münchner Merkur


" 'Was ist aus Carry geworden?' war eine der Fragen, die

Carry, 1942

Schüler an den Autor Fred Schwarz stellten, und zwar in jeder der drei Lesungen vor den 8. und 10.Klassen. Nun, das holländische Mädchen Carry hatte der Wiener Fred Schwarz 1943 im Durchgangslager Westerbork kennengelernt. Sie kamen auch zusammen in das Getto Theresienstadt, und dann trennten sich ihre Wege. Nach dem Krieg trafen sie sich in Holland wieder und sind inzwischen schon mehr als 50 Jahre verheiratet. 'Wir hatten Glück!' sagt Fred immer wieder, wenn er von seiner Flucht nach Holland , von seiner Deportation nach Auschwitz-Birkenau, von den Selektionen in den Lagern usw. erzählt und Bilder von Carry und den Lagern zeigt. 'Wir hatten Glück!' und sie gehörten zu den wenigen, die Glück hatten und überlebten. Doch Fred Schwarz ist kein Freund von Schuldzuweisungen, nüchtern und sachlich und humorvoll beschreibt er seine Erlebnisse und schildert sie den interessiert zuhörenden Schülern und Schülerinnen..."

Johannes Glötzner
Elsa BrandstromGymnasium Pasing


Fritz und Fred, Winter 1941/42

"Was an Fred Schwarz als erstes auffällt, sind das breite Grinsen und die sonore Stimme. In jedem Satz schwingt eine Melodie aus wienerischem Dialekt und dem Akzent der Niederlande mit. Gute Miene zum bösen Spiel? Schließlich ist Schwarz hier, um von seinen schrecklichen Erlebnissen unter der Nazi-Diktatur zu berichten. Er ist nicht gekommen, um die Nachgeborenen anzuklagen. Er will nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die Situation der hinter den Mauern und Stacheldrahtzäunen der Lager lebenden Menschen zu veranschaulichen. Die Lager, von denen während des Krieges so wenige wissen wollten. Und das soll genügen als Warnung für heutige Zeiten, der erhobene Zeigefinger ist überflüssig... Fred Schwarz präsentierte sich dem Publikum als Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist. Anstatt mit einer Aufzählung von Greueltaten Betroffenheit erregen zu wollen, schaffte er es, gerade durch die Darstellung der pervertierten Normalität in den Lagern die Grauen der Naziherrschaft zu verdeutlichen."

Markus Walter
REGES Süddeutscher Verlag

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